Grenzen der Europäischen Union

Nach einer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage, haben Jugendliche (bei Erwachsenen wurde dies nicht überprüft) die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreis an die Europäische Union nicht, oder nur am Rande zur Kenntnis genommen. Schade! Die Bedeutung der EU – jenseits aller ökonomischen und finanzpolitischen Querelen – kann schwerlich überschätzt werden. Hier besteht eine dringliche Vermittlungsaufgabe.

Europa hat den Friedensnobelpreis erhalten. Und dies völlig zu Recht. Damit ist auch eine Verpflichtung für die Verantwortung Europas an den eigenen Grenzen gegeben. Diese Verantwortung wird in einem sehr zu empfehlenden Artikel in der Freitag unter der Überschrift „Friedensanspruch und Flüchtlingsrealität“ beschrieben. Dieser Artikel endet mit folgendem Appell: „´Wir werden stets auf der Seite derjenigen stehen, die nach Frieden und Menschenwürde streben` sagte Komissionspräsident Barroso auf seiner Rede bei der Preisverleihung in Oslo. Die Realität an den Außengrenzen der Festung Europa sieht anders aus. Bei ihrer Flüchtlingspolitik  muss die Europäische Union dringend nachbessern, um ihrem Anspruch und Selbstverständis gerecht zu werden.“

Lob des Rigorismus

Hannah Arendt wies angesichts der Erfahrungen aus dem nationalsozialistischen Deutschland darauf hin, dass Moral sich genauso leicht ändern könne wie Tischsitten. In einer neuen Interpretation der berühmt gewordenen Experimente von Milgram und Zimbardo (Stanford-Prison-Experiment) aus den 1960er und 1970er Jahren zeigen, die Psychologen Haslam und Reicher, wie dieser Wechsel vor sich gehen kann: Üblicherweise werden die Ergebnisse so gedeutet, dass Gehorsam und Autorität Menschen dazu anleiten, anderen Menschen Leid zuzufügen. Haslam und Reicher zeigen dagegen, dass gerade der Glaube, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun, zu einem Moralwechsel führt (hier geht es zum Artikel). Denn für diese Ziele kann man ausnahmsweise auch mal moralisch problematische Handlungsweisen hinnehmen und ausführen.
Kants Ethik ist häufig der Kritik ausgesetzt, zu rigoros zu sein, keine Ausnahmen zuzulassen. Damit sei sie nicht nur lebensunpraktisch, sondern führe auch hin und wieder zu unmenschlichen Härten. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen deutlich, warum Rigorismus in ethischen Fragen sinnvoll sein kann: Moral und Tischsitten sind eben deutlich zu unterscheiden.

Melancholie eine Erfolgsgeschichte?

Die Premiere des neuen Programms „Melancholie – Eine Detektivgeschichte“ in der Pauke Kultur Bistro Bonn am 26.10.2012 ist erfolgreich vor ausverkauftem Haus verlaufen. Vielen Dank hierfür.

Zur Premiere ist dieses ungewöhnliche literarisch-musikalische Programm nun auch als Hörbuch auf CD erschienen: Sie können die CD beziehen bei

Grün & Huth oder direkt beim
Verlag Schreikönig

Wer dies Programm auf der Bühne erleben möchte: Die nächste Gelegenheit ist am Freitag, den 09.11.2012,  20 Uhr im Dottendorfer Ortszentrum,  Dottendorfer Str. 41, 53129 Bonn.

Philosophische Bücherschau Bonn am 7.11.

Am Mittwoch, den 7.11.2012 findet in diesem Jahr zum vierten Mal die Philosophische Bücherschau statt. In neunzig Minuten werden fünf philosophische Werke vorgestellt und besprochen.
Es diskutieren:
Birgit Baumann (Mitglied der Prüfungskommission an Europäischen Schulen)
Markus Melchers (Sinn auf Rädern)
Prof. Dr. Hans-Joachim Pieper (Universität Bonn)
Dr. Thomas Ebers (4 2 3. Institut für angewandte Philosophie und Sozialforschung, Bonn)

Ort: Kultur-Bistro Pauke -Life-
Endenicher Str. 43,
53113 Bonn.
Zeit: 20.00 Uhr – 21.30 Uhr.
Einlass: 19.00 Uhr.
Eintritt: 10 € Vorverkauf zzgl. Gebühren.
14 € Abendkasse
7 € ermäßigt*
Tickets: www.Bonnticket.de (Tel.: 018051812)
oder Pauke

*bei Vorlage von Schüler-, Studenten-, Schwerbehinderten oder Bonn-Ausweis.

Von Buch zu Leser

Endlich reden die über sich, die es tatsächlich betrifft. Kein Buch hat es leicht, aber einige haben es schwerer. Warum ein aktuell erschienenes Buch dazu auffordert, nicht gekauft zu werden, lesen sie hier.

PS: Warum einige Zeitungen beachtet werden sollten, ist diesem Text deutlich zu entnehmen.

Schlaflos

Die erste Philosophie-Sendung mit Richard David Precht hat 950.000 Menschen vor den Fernsehern erreicht. Sloterdijks letzte Sendung 330.000. Ob sich dieser Einschaltvorsprung halten kann, müssen die nächsten Sendungen zeigen (nächster Termin 7. Oktober).  Interessant ist vor allem: Der Marktanteil der ersten Sendung lag bei stolzen 8,7 Prozent. Das bedeutet,  umgerechnet, dass zu dieser späten Stunde rund 11 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher gesessen haben, also etwa 13% aller Bundesbürger.

Wer ist der Schönste im ganzen Land?

Offenbar ist nichts vor irgendetwas noch sicher. Sokrates und Platon, beide im Urteil ihrer Zeitgenossen keine Schönheiten, sind nun die Ahnherren einer Disziplin, für die die Schönsten gekürt werden.

Die seriöse FAZ ist Veranstalter dieses Schönheitswettbewerbs: Wer ist der schönste Philosoph? Richard Dawkins, Raphael Enthoven (der übrigens einer sehenswerten Philosophiesendung auf Arte vorsteht), Richard David Precht, Philipp Hübl, Bernhard-Henri Levy oder doch Peter Sloterdijk?

Wer mit abstimmen möchte: Hier der Link.

Neu erschienen: Denkzettel. Das Magazin Heft 1/2012

Denkzettel. Das Magazin 1/2012Denkzettel. Das Magazin
für Philosophie und Kulturgeschichte

Heft 1/2012
Aus dem Inhalt: Warum “Wozu Philosophie?“ fragen? / Philosophie & die Zukunft. Pragmatik als Überredungskunst / Nieder mit Silberbüchse und Bärentöter! Karl May und der Pazifismus / Säkularisierung. Ein Zwischenbericht / Rezensionen / Meldungen
Erscheinungsweise: 4 x im Jahr als elektronisches DokumentPDF-Dokument, EPUB, MOBI (auch bei Amazon als E-Book für den Kindle zu beziehen)

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Verlag: Schreikönig. Philosophischer Fachverlag (www.schreikoenig.de)
Einzelpreis: 10 Euro
Abonnementpreis*: 15 Euro je Halbjahr (zwei Exemplare). Das Abo ist jeweils nach zwei Heften (also halbjährlich) kündbar.
Ausgedruckte Exemplare: Für die Bereitstellung einer ausgedruckten Ausgabe werden zusätzlich 2,50 Euro (inkl. Versandkosten) pro Heft erhoben.

Mal schauen

Am 2. September wird die Debütsendung von Richard David Precht im ZDF ausgestrahlt. Mal schauen was sich in der medialen Philosophievermittlung im Vergleich zur früheren Philosophiesendung Philosophisches Quartett so ändert. Eines ist in jedem Fall schon einmal gleich geblieben: die späte Sendezeit kurz vor Mitternacht (23:25 – 00:10). Fraglich ob zu solch nachtschlafender Stunde die Einschaltquote zufriedenstellened sein wird, zumal laut Sloterdijk, der Vorgänger Prechts als ZDF-„Medienphilosoph“, dieser wohl eine Zielgruppe anspricht, die – nach einem Glas Rotwein früher – zu Bett geht: Prechts Klientel gleiche, so Sloterdijk, eher „der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.“

Aber immerhin gibt es einen Hinweis auf Zuspruch. Die Sendung heißt eben nicht „Zu später philosophischer Stunde“ oder „Sokrates auf dem blauen Sofa“ oder … Sie heißt schlicht „Precht“.

Thema der ersten Sendung: „Skandal Schule – Macht lernen dumm?“

Die Religion hat in Habermas einen sie gegen die Theologie verteidigenden Kritiker

Hier geht es zu einem Artikel der FAZ vom 20.07.2012,
in dem über eine Diskussion zwischen Jürgen Habermas und dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf berichtet wird. Hier ein kurzer Auszug des sehr lesenswerten Artikels:

„Habermas, wie gesagt, redet in München kaltblütig. Und doch voller Behutsamkeit. Wie ein guter Chirurg, der nicht mehr weh tun möchte als nötig. Nein, sagte er zunächst noch ohne Chirurgenkittel an Heinrich Meier, den Stiftungs-Philosophen, gewandt – nein, es sei nicht so, wie Meier denke, dass er, Habermas, sich mit der Religion aus purem soziologischem Interesse befasse. Er prüfe sie vielmehr als Ressource für die Philosophie, für eine Philosophie, die nicht naturalistisch-szientistisch verengt sich selbst widerlege, sondern ihre semantischen Potentiale ausschöpfen möchte. (…) Es war diese meisterhaft durchgehaltene Performanz, in der Rolle des religiös Unmusikalischen die Sache der Theologie stark zu machen, die dem Abend in der Siemens-Stiftung seinen Zauber verlieh.“