Mal schauen

Am 2. September wird die Debütsendung von Richard David Precht im ZDF ausgestrahlt. Mal schauen was sich in der medialen Philosophievermittlung im Vergleich zur früheren Philosophiesendung Philosophisches Quartett so ändert. Eines ist in jedem Fall schon einmal gleich geblieben: die späte Sendezeit kurz vor Mitternacht (23:25 – 00:10). Fraglich ob zu solch nachtschlafender Stunde die Einschaltquote zufriedenstellened sein wird, zumal laut Sloterdijk, der Vorgänger Prechts als ZDF-„Medienphilosoph“, dieser wohl eine Zielgruppe anspricht, die – nach einem Glas Rotwein früher – zu Bett geht: Prechts Klientel gleiche, so Sloterdijk, eher „der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.“

Aber immerhin gibt es einen Hinweis auf Zuspruch. Die Sendung heißt eben nicht „Zu später philosophischer Stunde“ oder „Sokrates auf dem blauen Sofa“ oder … Sie heißt schlicht „Precht“.

Thema der ersten Sendung: „Skandal Schule – Macht lernen dumm?“

Die Religion hat in Habermas einen sie gegen die Theologie verteidigenden Kritiker

Hier geht es zu einem Artikel der FAZ vom 20.07.2012,
in dem über eine Diskussion zwischen Jürgen Habermas und dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf berichtet wird. Hier ein kurzer Auszug des sehr lesenswerten Artikels:

„Habermas, wie gesagt, redet in München kaltblütig. Und doch voller Behutsamkeit. Wie ein guter Chirurg, der nicht mehr weh tun möchte als nötig. Nein, sagte er zunächst noch ohne Chirurgenkittel an Heinrich Meier, den Stiftungs-Philosophen, gewandt – nein, es sei nicht so, wie Meier denke, dass er, Habermas, sich mit der Religion aus purem soziologischem Interesse befasse. Er prüfe sie vielmehr als Ressource für die Philosophie, für eine Philosophie, die nicht naturalistisch-szientistisch verengt sich selbst widerlege, sondern ihre semantischen Potentiale ausschöpfen möchte. (…) Es war diese meisterhaft durchgehaltene Performanz, in der Rolle des religiös Unmusikalischen die Sache der Theologie stark zu machen, die dem Abend in der Siemens-Stiftung seinen Zauber verlieh.“

Arbeit am kulturellen Gedächtnis

Gestern, am 19.06.2012, wurde in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland die Austelleung Am Anfang Anselm Kiefer. Werke aus dem Privatbesitz Hans Grothe eröffnet. Wer die Gelegenheit hat, sich diese Arbeiten eines der weltweit bedeutensten deutschen Künstlers aus den letzten Jahrzehnten anzusehen, sollte diese auch unbedingt ergreifen. Die größtenteils momumentalen Arbeiten sind mindestens beeindruckend und teils überwältigend. In der Kunst- und Ausstellungshalle finden sie darüber hinaus einen angemessenen und ihre Wirkung steigernden Raum.

Kiefers Kunst lässt Raum für vielfältige gerade auch philosophische Assoziationen. Dies habe ich versucht in meinem Beitrag Bleiernes Ich. Anselm Kiefers Arbeit am kulturellen Gedächtnis, erschienen in dem die Ausstellung begleitenden Buch Anselm Kiefer. Am Anfang, Wienand Verlag Köln 2012, S. 120-129, zu zeigen.

Die Ausstellung läuft bis zum 16. September 2012.

Ohrenkuss und die Wunderscheibe

Ohrenkuss eine Zeitung gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, entsteht in der downtown-werkstatt für Kultur und Wissenschaft in Bonn.

Zur Zeit ist Ohrenkuss Teil einer Ausstellung im Kurfürstlichen Gärtnerhaus in Bonn (1. Juni bis zum 21. Juni). Es ist eine Ausstellung mit Fotografien von Britt Schilling und Skulpturen von Burkhard Mohr.

In dieser Zeit hält die Ohrenkuss-Redaktion ihre Redaktionssitzungen in den Ausstellungsräumen ab. Und zu einer dieser Sitzungen wurde ein Philosoph eingeladen, um über das Thema Zeit nachzudenken. Vielen Dank, für die sehr freundliche Aufnahme und das interessante Gespräch. Einblicke finden sich hier:
Ohrenkuss und die Wunderscheibe

Zur Banalität des Bösen

Arendts Formel von der „Banalität des Bösen“ war von Beginn an umstritten. Neuere Forschungsergebnisse, die sich auf das Arendt nicht vorliegende „Sassen-Interview“ stützen, zeigen, dass Antisemitismus ein die Handlungen Eichmanns bestimmender Faktor gewesen ist. Er war „Glaubenstäter“ und überzeugter Nationalsozialist nicht pflichtbewusster Funktionsträger. Das Interview mit Gabriel Bach, dem letzten noch lebenden Ankläger im Eichmann-Prozess stützt diesen kritischen Blick auf die Formel von der Banalität des Bösen.

Kleine Grundübung in Logik

Anlässlich der kostenlosen Koranverteilung (geplant 25 Millionen Exemplare) der Salafisten (Salafismus bezeichnet eine ultrakonservative Strömung des sunnitischen Islams, die sich ihrem Selbstverständnis nach an der Zeit der „Altvorderen“ orientiert) wird aktuell häufig eine Warnung des Verfassungsschutzpräsidenten Heinz Fromm zitiert: «Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist. Aber fast alle Terroristen, die wir kennen, hatten Kontakt zu Salafisten oder sind Salafisten.»

Diese Aussage ist zugleich ein kleiner Grundkurs in Logik, denn explizit wird eine logisch fehlerhafte Verallgemeinerung vermieden (und so auch herausgestellt), auf der jedes Vorurteil basiert: Weiterlesen